9.18. Oktober 2020

Online + Frankfurt am Main

#B3Kulturkiosk – 15/2020

News

Games machen Schule

“Spielend in die Zukunft” – so lautet das diesjährige Thema der gamescom vom 27. bis 30. August. Damit sollen die positiven Auswirkungen von Games sowie der Spielecommunity auf die Gesellschaft in den Mittelpunkt gestellt werden. Neben dem Leitthema werden außerdem zwei Trends bei der gamescom in den Mittelpunkt gerückt: “Games machen Schule” und “Neue Konsolengeneration”. Nachdem die E3 in diesem Jahr aufgrund des Coronavirus ausfallen musste, bietet die gamescom nun die beste Möglichkeit für die Plattformhersteller, neues über ihre neuen Konsolen bekannt zu geben, die bereits Ende des Jahres erscheinen sollen. Bei “Games machen Schule” liegt der Fokus indes verstärkt auf Serious Games und auf der Einbindung von Games in die schulische Bildung. Auf dem gamescom congress wird es deshalb einige Best-Practice-Beispiele geben sowie Möglichkeit für Austausch mit Pädagogen.

Kunstmessen Frieze abgesagt

Die 2020er Ausgaben der Kunstmessen Frieze London und Frieze Masters sind abgesagt worden. Die Veranstaltungen sollten vom 7. bis 11. Oktober in London stattfinden.
„Aufgrund erheblicher logistischer Herausforderungen im Zusammenhang mit COVID-19, einschließlich Komplikationen im Zusammenhang mit der Reisequarantäne und anhaltenden Einschränkungen, haben wir keine andere Wahl, als die physischen Ausgaben der Messen abzusagen”, teilten die Veranstalter mit. Die Frieze London findet seit 2003 jedes Jahr statt und wird von rund 60.000 Besuchern besucht. 2019 kamen mehr als 160 Galerien aus 35 Ländern zusammen.

Hollywood wird queerer, aber…

Der Anteil der Filme mit queeren Figuren in den von den acht großen US-Filmstudios landesweit im Kino veröffentlichten Produktionen ist im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Das geht aus dem neuen “Studio Responsibility Index” hervor. Unter den 118 mit großem Werbeaufwand veröffentlichten Filmen hatten 22 mindestens eine schwule, lesbische, bisexuelle, trans oder queere Figur. Das entspricht 18,6 Prozent, der höchste bisher von GLAAD gemessene Wert. 2018 lag die Rate bei 18,2 Prozent. Manko: die ethnische Vielfalt der queeren Figuren sinkt stetig: 2019 wurden nur 34 Prozent der LGBTI in den getesteten Hollywood-Filmen als “farbige” Menschen (“people of color”) identifiziert. 2018 waren es noch 42 Prozent, 2017 gar 57 Prozent.

Rom benennt Konzerthaus nach Ennio Moriccone

In Rom wird eines der wichtigsten Konzerthäuser nach dem verstorbenen Komponisten Ennio Morricone benannt. Nach einer Entscheidung des Stadtrates wird das Auditorium Parco della Musica künftig Ennio Morricone Auditorium heißen. Der Komponist und zweifache Oscarpreisträger Ennio Morricone war am 6. Juli mit 91 Jahren in seiner Heimatstadt Rom gestorben.

Vertrauen in die Medien erschüttert

Die Mehrheit der Bürger ist wegen der Zunahme von Falschmeldungen in der Corona-Krise besorgt. Noch nie zuvor hätten sich Desinformationen so schnell und flächendeckend verbreitet und hartnäckig festgesetzt, lautet das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung in sieben Ländern in Auftrag gegeben hatte. 44 Prozent der Befragten glauben, die Medien würden auf Druck der Regierung Tatsachen über das Coronavirus verschweigen. Auch Verschwörungstheorien über den Microsoft-Milliardär Bill Gates finden in einigen Ländern viel Widerhall. So stimmt die Hälfte der Befragten der Aussage zu, Gates würde eine Zwangsimpfung für jeden Menschen fordern. In Deutschland sind rund 28 Prozent der Befragten dieser Meinung. An die Behauptung, Gates wolle zur Bekämpfung der Corona-Pandemie Menschen Mikrochips einpflanzen, glaubt länderübergreifend laut Umfrage nahezu ein Drittel aller Befragten.

Katastrophe in Kalifornien

Vom Ticketverkäufer bis zum Filmstar: Seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie Mitte März haben mehr als 230.000 Menschen, die im Kunst-, Unterhaltungs- und Freizeitsektor Kaliforniens beschäftigt sind, Anträge auf Arbeitslosengeld gestellt. Vor der Pandemie beantragten in den ersten neun Wochen des Jahres 2020 durchschnittlich 730 Beschäftigte in diesem Sektor Arbeitslosengeld. In vergangenen zwei Monaten verzeichneten die entsprechenden Ämter durchschnittlich etwa 7.500 Anträge pro Woche.

Debatte über kulturell Aneignung

Kulturelle Aneignung ist ein Phänomen, das seit Jahren vor allem in den USA im Rahmen der Political Correctness seine Kreise zieht. Zahlreiche – und nicht nur weiße – Prominente der Entertainmentbranchen wie z.B. Justin Bieber, Madonna, Katy Perry, Scarlett Johansson, Beyoncé, Rihanna wurden damit konfrontiert. Jetzt hat der britisch-nigerianische Autor gefordert, diesen „Unsinn“ zu stoppen. Mehr steht in diesem lesenswerten Artikel.

Angebote

Burg Giebichenstein: Jahresausstellung digital

Die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle öffnet üblicherweise im Sommer ihre Türen für die Jahresausstellung – wegen der Corona-Pandemie präsentiert sie die künstlerischen Ergebnisse des abgelaufenen Semesters in digitaler Form. Auf einer eigens eingerichteten Internetplattform aktuelle Arbeiten und Projekte vorgestellt. Werksabbildungen, Projektskizzen, Video und Livestreams bis zum 1. Oktober zu sehen sein. Verteilt über den Sommer wollen die Studierenden und Lehrenden der Burg auch Projekte, Ausstellungen und Interventionen in der Stadt Halle präsentieren.

Ausstellung in Leiden: Grippe, Pest und Corona

Eine Ausstellung im Museum Boerhaave in der niederländischen Stadt Leiden widmet sich der Geschichte von Infektionskrankheiten. Unter anderem sind Schutzausrüstungen aus verschiedenen Jahrhunderten zu sehen. Einige der Ausstellungsstücke lassen noch heute Schauer den Rücken hinablaufen. „Infiziert!“ zeigt ein faszinierendes Gleichgewicht zwischen Gesundheit und realem Risiko sowie zwischen sozialer Ausgrenzung und Empathie. Wie sind wir in der Vergangenheit mit Epidemien wie Pest und Pocken umgegangen? Welche Erkenntnisse bieten historische Epidemien für die Zukunft? Und welche Lösungen bietet die Wissenschaft? Mit der Ausstellung und einem anregenden Rahmenprogramm möchte das Museum einem möglichst breiten Publikum ermöglichen, die Bedeutung der Wissenschaft für das heutige Leben zu entdecken.

Met öffnet wieder

Das Metropolitan Museum of Art in New York wird am 29. August wiedereröffnet, allerdings nur mit 25%-iger Auslastung. Besucher müssen Masken tragen und entsprechend Abstand halten. Das Museum, das 2019 mehr als sechs Millionen Besucher verzeichnete, wurde am 13. März wegen der Coronavirus-Pandemie geschlossen. Drei neue Ausstellungen werden zu sehen sein, wenn die Institution die Besucher wieder willkommen heißt, darunter „Making the Met, 1870-2020“, eine Ausstellung zum Gedenken an das 150-jährige Bestehen des Museums.

Lesetipp: Die neue Welle aus Südkorea

Sie überzeugen nicht nur, sie fesseln einen: die südkoreanischen Filmemacher mit ihren intelligenten Genremischungen und kompromisslosen Inszenierungen. Cinema-Redakteur Sven Wiebeck über die Qualität und Innovationskraft des südkoreanischen Films. Weiter lesen.

Hilfe

Australien: Anreize für internationale Filmproduktionen

Um die australische Filmwirtschaft nach dem Corona-Lockdown wieder anzukurbeln, hat die Regierung ein 280-Millionen-Dollar-Incentive-Paket aufgelegt. Damit sollen insbesondere ausländische Filmproduktionen ins Land gelockt werden. Der Location Incentive Plan, der kürzlich von Premierminister Scott Morrison angekündigt wurde, wird zusammen mit dem Location Offset angeboten, einem Steuernachlass von 16,5% für Fernseh- und Filmproduktionen. Morrison hofft über diese Anreize, 2,1 Milliarden US-Dollar an Einnahmen aus internationalen Produktionen erzielen zu können. “Damit werden Tausende von Australiern unterstützt, die ihren Lebensunterhalt durch die Arbeit vor der Kamera und hinter den Kulissen der Kreativwirtschaft verdienen”, sagte Morrison.

Zukunft für Kinos

In Ergänzung zum laufenden Zukunftsprogramm Kino hat die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) ein weiteres investives Förderprogramm für den Kinosektor in Höhe von insgesamt 40 Millionen Euro aufgesetzt. Das Zukunftsprogramm Kino II fördert Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung der Covid-19-Pandemie sowie zukunftsgerichtete Investitionen zur Stärkung der Attraktivität der Kinos bei Wiedereröffnung und Weiterbetrieb. Die Höhe der Zuwendung beträgt bis zu 80 % der förderfähigen Kosten für pandemiebedingte investive Umbau-, Modernisierungs- und Ausstattungsmaßnahmen zur Reduzierung von Ansteckungsgefahren in den öffentlichen und nicht-öffentlichen Bereichen des Kinos. Gefördert werden u.a. auch bargeldlose Kassensysteme, Online-Ticketing-Systeme sowie nachhaltige und umweltschonende Verfahren wie die Modernisierung und der Einbau von sanitären Einrichtungen und Klima- bzw. Belüftungssysteme. Start des Antragsverfahrens bei der Filmförderungsanstalt ist der 1. August 2020.

Förderung für Orchester

27 freie Orchester und Ensembles können in der Corona-Krise auf Unterstützung aus dem Bundeshaushalt zählen. Die Mittel aus dem Programm “Orchester vor neuen Herausforderungen” umfassen jeweils bis zu 200.000 Euro. Ziel ist es, freien Ensembles und Orchestern “so schnell wie möglich den Wiederbeginn ihrer künstlerischen Arbeit zu ermöglichen”. Gefördert werden etwa die Akademie für Alte Musik Berlin, Concerto Köln, die Deutsche Kammerakademie Neuss am Rhein, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen oder das Elbipolis Barockorchester Hamburg. Auch das Ensemble Ruhr, das Freiburger Barockorchester, die Kammerakademie Potsdam oder die Philharmonie Leipzig erhalten Mittel.

Bund fördert Gerhart-Hauptmann-Museum in Erkner

Das Gerhart-Hauptmann-Museum im brandenburgischen Erkner wird zu einem „Kultur- und Bildungsforum“ ausgebaut. Es soll „Angebote für alle Bevölkerungsgruppen“ machen, wie Brandenburgs Kulturministerium Manja Schüle (SPD) mitteilte. Dafür stünden rund 2,6 Millionen Euro an Bundesmitteln bereit. Der Dramatiker und Schriftsteller Gerhart Hauptmann (1862-1946) gilt als bedeutendster deutscher Vertreter des Naturalismus. Der Literatur-Nobelpreisträger lebte von 1885 bis 1889 in der Villa Lassen in Erkner, in der das Museum 1987 eröffnet wurde. Die Sammlung umfasst rund 30.000 Gegenstände aus dem Besitz des Schriftstellers, darunter die Nobelpreis-Urkunde von 1912.

Filmtipps

Happy Birthday, Mr. Sutherland!

Ursprünglich wollten wir diese Filmtipps der Erotik im Film widmen, aber aus aktuellem Anlass möchten wir uns vor einem der Großen Hollywoods verbeugen: Donald Sutherland. Er wurde am 17. Juli 85 Jahre alt.
Der ursprünglich aus Kanada stammende Sutherland war einer der wandlungsfähigsten Charakterdarsteller Hollywoods und stand auch immer für seine Ansichten ein. So engagierte er sich vehement und öffentlich gemeinsam mit Jane Fonda gegen den Vietnamkrieg. Der eigentlich als Theaterschauspieler ausgebildete Sutherland wurde 2017 mit einem Ehren-Oscar ausgezeichnet. Er war (und ja, er war es, er spielte es nicht nur) mal einfühlsamer Provinzbulle, mal liebender Vater mit hellseherischen Fähigkeiten, mal unerträglich sadistischer italienischer Faschist. Sein Spiel, sein Gesicht bleiben tief im Gedächtnis verhaftet. Großartig!

Klute

Klute
USA 1971
Regie: Alan J. Pakula
Mit Jane Fonda und Donald Sutherland

Klute bildet den Abschluss einer Filmtriologie, die das tiefe Misstrauen in das amerikanische System der damaligen Zeit als thematischen Hintergrund hat. Der Film selbst ist dabei gesellschaftspolitisch kritisch und erzählt die Geschichte des Provinzpolizisten Klute (Donald Sutherland), der als privater Ermittler nach seinem seit einem Jahr verschollenen Freund in New York City suchen soll. Er trifft dabei auf das Callgirl Bree Daniels (Jane Fonda), an das sein Freund angeblich mehrere obszöne Briefe geschrieben hatte. Bree verweigert Klute zunächst die Zusammenarbeit, fasst dann aber mehr und mehr Vertrauen in ihn und taucht mit ihm in die Welt der Zuhälter, Verbrecher und Junkies des New Yorks der 1970er Jahre ein. Jane Fonda gewann einen Oscar für ihr beeindruckendes Spiel.

Das Lexikon des Internationales Films schreibt: „Psychothriller mit bedrückender Atmosphäre und einer nüchternen Studie über gestörte menschliche Beziehungen.“

Wenn die Gondeln Trauer tragen

Don’t Look Now
Italien/UK 1973
Regie: Nicolas Roeg
Mit Julie Christie und Donald Sutherland

Kult! Grusel-Klassiker! Skandalfilm!
Die Geschichte des Restaurators John Baxter und seiner Frau Laura, deren Kind bei einem tragischen Unfall ertrinkt, geht unter die Haut. Baxter scheint den Tod seiner Tochter vorauszusehen, kann ihr jedoch nicht mehr helfen. Er und Laura gehen einige Zeit nach dem Unfall nach Venedig, da Baxter dort die Restaurierung einer Kirche leiten wird. In einem Restaurant lernen die beiden ein skurriles englisches Schwesternpaar kennen. Eine der Schwestern ist blind und sagt, sie verfüge über das zweite Gesicht. Baxter erscheinen die Schwestern suspekt, Laura fühlt sich durch sie getröstet. Baxter ist Rationalist und lehnt jeglichen parapsychologischen Unsinn ab. Er will seine übernatürliche Gabe nicht wahrhaben und läuft in sein Verderben; dabei spielt das rote Regenmäntelchen eine große Rolle.

Das British Film Institute wählte Wenn die Gondeln Trauer tragen im Jahre 1999 auf Platz 8 der besten britischen Filme aller Zeiten.

1900

Novecento
Italien, Frankreich, Deutschland 1976
Regie: Bernardo Bertolucci
Mit Robert De Niro, Gérard Depardieu und Donald Sutherland

Ein monumentales 5-Stunden Werk, gesellschaftskritisch und analytisch mit grandiosen Schauspielern, skandalträchtigen Sexszenen und unter die Haut gehenden Gewaltdarstellungen. Es erzählt die Geschichte der ambivalenten Freundschaft des Landarbeitersohns Olmo (Depardieu) und des am selben Tag geborenen Großgrundbesitzersohns Alfredo (De Niro) im Italien der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts, wobei sich der Film besonders der Entwicklung des aufkommenden Faschismus widmet. Donald Sutherland spielt hier den widerlichen, skrupellosen faschistischen Gutsverwalter und Schwarzhemden-Anführer Attila, der weder vor Mord noch vor Vergewaltigung zurückschreckt, um sich auf perverse Art und Weise zu vergnügen und seine Macht auszubauen. Der Faschismus wird besiegt und Attila erschossen.

Der Dialog -The Conversation

USA 1974rnRegie: Francis Ford CopollarnMit Gene Hackman und Harrison FordrnrnHarry Caul, Überwachungsexperte, Abhörspezialist und Hoppysaxophonist, lebt in San Francisco. Er überwacht das junge Paar Ann und Mark. Engagiert wurde er vom „Direktor“ einer Firma. Es entsteht ein Verwirrspiel, bei dem nichts zu sein scheint, wie es aussieht. Harry selbst wird immer mehr emotional in seinen Auftrag verwickelt und selbst abgehört. Ein Mord geschieht. Am Ende sind die Täter die Opfer und umgekehrt. Francis Ford Copolla bedient sich hier der Stiltechniken des sogenannten „New Hollywood“, die ihm maximale künstlerische Freiheit gestatteten. Gene Hackmann ist ein wunderbarer Harry Caul, der durch sein in diesem Fall sehr zurückgenommenes Spiel beeindruckt.rn