9.18. Oktober 2020

Online + Frankfurt am Main

#B3Kulturkiosk – 13/2020

News

LEGO-Kunst

Der dänische Spielwarenhersteller hat jetzt mit LEGO Art eine
neue Setreihe vorgestellt, die sich an zahlungskräftige Fans ab 18 Jahren richtet. Moderne Mosaik-Kunst aus LEGO Steinen (40cm x 40cm) für die heimische Wand. Zur Auswahl stehen anfangs vier verschiedene Sets, die jeweils mit 119,99 Euro zu Buche schlagen: Marilyn Monroe, The Beatles, Andy Warhol, Marvel Studios Iron Man und Star Wars The Sith. Jedes Set besteht aus rund 3.000 kleinen LEGO Elementen. Beim Bauen liefert der Podcast „Audio Building“ zusätzlich wissenswerte Fakten zum jeweiligen Werk.

Deutscher Buchpreis nur online

Die Verleihung des Deutschen Buchpreises 2020 findet wie üblich zum Auftakt der Buchmesse im Frankfurter Römer statt – in diesem Jahr allerdings ohne Publikum. Die Anwesenheit von Publikum erlaubten die Corona-Hygienebestimmungen nicht, teilt der Börsenverein mit. Stattdessen soll die Preisverleihung am 12. Oktober als reine Livesendung ausgestrahlt werden. Die Übertragung findet unter anderem über die Website des Deutschen Buchpreises sowie die Facebook-Seite statt.

Asisi-Panorama feiert französischen Impressionismus

Das neueste 360°-Panorama von Yadegar Asisi feierte Anfang Juli seine Weltpremiere in Rouen in Frankreich. “DIE KATHEDRALE VON MONET – Die Hoffnung der Moderne” wird als Highlight des diesjährigen Festivals ‘Normandie Impressionisme’ bis weit in das Jahr 2021 in der Ausstellungslocation Panorama XXL zu erleben sein. Mit dem 32 Meter hohen und über 100 Meter umfassenden Kunstwerk thematisiert Yadegar Asisi die Errungenschaften der Malerei in der Epoche des Impressionismus. Ausgangspunkt ist die Gemäldeserie von Claude Monet zur Kathedrale in Rouen aus den Jahren 1892 bis 1894.

Ólafur Elíasson: Kinderwünsche via App

Pünktlich zu Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft am 1. Juli hat der dänische Künstler Ólafur Elíasson zusammen mit dem Goethe-Institut seine App “Earth Speaker” ins Netz gebracht. In dem interaktiven Kunstwerk, frei übersetzt “Erd-Lautsprecher”, sammelt Elíasson europaweit Sprachbotschaften, Wünsche und Hoffnungen von Kindern und Jugendlichen v.a. zum Thema Klimaschutz und postet sie auf einer digitalen Plattform. Anstatt Statements oder Absichtserklärungen von Politikern, werden hier Kinderstimmen laut: Es sind Wünsche, Hoffnungen und Ideen für die Zukunft Europas und des Planeten. Jetzt gehts es nur noch darum, zuzuhören! Das sieben Millionen Euro teure Projekt ist Zentrum des insgesamt für zehn Millionen Euro realisierten Kulturprogramms zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020.

Berlin Art Week mit 150 Veranstaltungen

Mit mehr als 150 Ausstellungen und Veranstaltungen findet die Berlin Art Week vom 9. bis zum 13. September 2020 statt. Besondere Schwerpunkte sind die Messe „positions Berlin“, Hans Haackes Intervention ›Wir (alle) sind das Volk‹ im öffentlichen Raum der Stadt und ein Veranstaltungsprogramm mit Filmen und Gesprächen zur europäischen Stadt des 21. Jahrhunderts. Auf dem Programmzettel steht auch das Kindl—Zentrum für zeitgenössische Kunst. Es eröffnet vier Ausstellungen: „neben einer Gruppenausstellung auch eine raumgreifende audiovisuelle Installation aus zwei Klangskulpturen von Nik Nowak sowie eine speziell für das Haus entwickelte Neuproduktion der Künstlerin Lerato Shadi, die als Vertreterin des ›Black Feminism‹ den marginalisierten Körper ins Zentrum ihres Werks stellt, sowie eine Filmarbeit der israelischen Künstlerin und B3-Teilnehmerin Ann Oren im neu geschaffenen ›M1 VideoSpace‹.“

Angebote

Homemade auf Netflix

Während sie in häuslicher Quarantäne und Isolation saßen, haben Regisseur_innen und Filmstars auf der ganzen Welt zur Kamera gegriffen ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Coronavirus in improvisierten No-Budget-Kurzfilmen festgehalten. So dokumentieren sie, was das Virus und der Lockdown mit den Menschen auf dem Globus macht, wie sich beides auf das persönliche Leben auswirkt und was das für Folgen für die Psyche hat – und, wie in diesem Fall, für die Kreativität bedeuten kann. Mit dabei sind u.a. Filmpreis-Träger Sebastian Schipper („Victoria“, „Roads“), der italienische Oscar-Preisträger Paolo Sorrentino („La grande Bellezza“), der Chilene Sebastian Lelio („Gloria“), David Mackenzie („Hell or High Water“), Regisseurin Gurinder Chahda („Kick it like Beckham“) sowie die Schauspielerinnen Kristen Stewart (neuer Film „Underwater“ ist gerade auf DVD erschienen) und Maggie Gyllenhaal. Die Kurzfilm-Anthologie gibt es bei Netflix.

Nachhaltige Kunst in Leipzig

Im Museum der bildenden Künste in Leipzig kann man sich noch bis 8. November 2020 inspirieren lassen, wie vielseitig Abfallprodukte verwendbar sind: Ein Mobile aus Plastikmüll, eine Installation aus Wegwerfprodukten und Farbe aus Feinstaub. Für die Gruppenausstellung „Zero Waste“ führen internationale Künstler*innen den Besucher*innen vor Augen, welche Folgen der Verbrauch von Ressourcen hat und fragen nach einem alternativen Umgang mit unserer Umwelt.

Pariser Louvre wieder geöffnet

Seit 6. Juli 2020 ist der Louvre in Paris wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet – allerdings unter strengen Hygiene-Auflagen. So muss das Museum seine Besucherzahlen drastisch einschränken: Nur rund 30 Prozent der üblichen 30.000 bis 40.000 Menschen pro Tag wird der Zutritt gewährt. Im vergangenen Jahr besuchten insgesamt 9,6 Millionen Menschen das Museum.

Salzburger Festspiele live im KIno

Am 1. August eröffnen die Salzburger Festspiele zum 100-jährigen Jubiläum in modifizierter Form mit einem umfassenden Programm. Erstmals wird der Eröffnungsabend mit der Neuinszenierung von Richard Strauss’ Oper „Elektra“ aus der Felsenreitschule und mit der Wiederaufnahme des „Jedermann“ auf dem Domplatz live in zahlreichen Kinos in Österreich, Deutschland und der Schweiz zu erleben sein. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie mussten der Verkauf von ursprünglich geplanten 242.373 Tickets drastisch auf 76.698 reduziert werden. Für Festival-Präsidentin ist die Bespielung der Kinos „ein wichtiges Zeichen“ in Corona-Zeiten.

Hilfe

Kunstlotterie der UNO-Flüchtlingshilfe

Mit einem Los für 40 Euro großartige Kunst gewinnen – das macht die UNO-Flüchtlingshilfe-Kunstlotterie möglich. Sie steht unter dem Motto “Heart 100 Artists. 1 Mission”. Für die Lotterie haben 100 MalerInnen, FotografInnen, Video-, Installations- und Konzeptkünstler_innen der Flüchtlingshilfe ihre Kunst zur Verfügung gestellt, darunter Katharina Grosse, Jenny Holzer, Herlinde Koelbl, Jorinde Voigt, Chiharu Shiota, Anish Kapoor und Nicole Wermers. Vor der offiziellen Ziehung der Gewinner am 26.11.2020 werden die 100 Werke im Herbst im Kunstmuseum Bonn, in der Hamburger Kunsthalle und in der Berlinische Galerie ausgestellt. Und so geht`s: Interessenten überweisen 40 Euro pro Los bzw. einen Betrag, der durch 40 teilbar ist, auf das Kunstlotterie-Sonderkonto und erhalten danach ihre Losnummern. Alles Weitere steht auf hier.

Ausfallfonds für Filmproduktionen

Im Rahmen des Hilfs- und Investitionspakets “Neustart” stellt die Bundesregierung nun 50 Millionen Euro bereit, um damit mögliche corona-bedingte Ausfallkosten bei Produktionen von Kinofilmen und hochwertigen Serien auszugleichen. «Der Ausfallfonds ist das zentrale Instrument, um den Motor der Film- und Fernsehbranche wieder zum Laufen zu bekommen», sagte Alexander Thies, Vorsitzender der Produzentenallianz. Er fordert zugleich, die Unterstützung auf alle Fernsehproduktionen auszuweiten.

NRW: Stipendien für freischaffende Künstler

Mit einem neuen Stipendienprogramm will das Land NRW freischaffenden Künstlern in der Corona-Krise helfen. Auch Kultureinrichtungen verspricht das Land Unterstützung – und zwar mit seinem sogenannten “Stärkungsfonds”, der vor allem privatwirtschaftlich tätige Kulturstätten aller Sparten in den Blick nimmt. 185 Millionen Euro soll das NRW-Stärkungspaket insgesamt umfassen. Davon entfallen 105 Millionen Euro auf das Stipendienprogramm und 80 Millionen Euro auf den Hilfsfonds. Insgesamt können rund 15.000 Stipendien in Höhe von jeweils etwa 7.000 Euro vergeben werden.

Filmtipps

Happy Birthday, Ingmar Bergman.

Zum 100. Geburtstag von Ingmar Bergman am 14. Juli 2020 hier unsere persönliche Filmauswahl.
Mag man seine Filme auch schon 100 Mal gesehen haben, man entdeckt immer wieder etwas anderes, und je nach eigener Verfassung rufen sie die unterschiedlichsten Stimmungen hervor. Seine so vielschichtigen Filme erzielen meist einen kathartischen Effekt, da sie, lässt man sich auf sie ein, die tiefsten Tiefen der Seele berühren. Seine Filme haben immer einen magischen Sog, sie schauen in menschliche Abgründe und oft versöhnen sie einen auch wieder mit der Welt und den Menschen, die darin leben.
Sie sind klug erzählt, sie trösten, sie schmerzen, sie regen zum Nachdenken an und sie können berühren wie ein lauer Sommerwind. LIEBLINGSFILME!

Herbstsonate

Höstsonaten
Schweden 1978
Regie: Ingmar Bergman
Mit Ingrid Bergman und Liv Ullmann

Ein Drama um eine Mutter-Tochter Beziehung mit einem unvergleichlichen Schauspielerinnen-Duo. Ingrid Bergman ist hier in ihrer letzten Rolle zu sehen. Sie spielt die vom Erfolg verwöhnte, egozentrische Konzertpianistin Charlotte Andergast, die ihre Tochter Eva (Liv Ullmann) nach 7 Jahren das erste Mal wieder besucht. Eva erhofft sich eine Annäherung an ihre Mutter, und auch die Mutter scheint nicht abgeneigt. In einem nächtlichen Gespräch versucht Eva, ihrer Mutter klar zu machen, wie sehr sie unter der Kälte und mangelnden Liebe ihrer Mutter gelitten hat und bis heute leidet. Charlotte reist daraufhin überstürzt ab…..

Wilde Erdbeeren

Smultronstället
Schweden 1957
Regie: Ingmar Bergman
Mit Victor Sjöström und Bibi Andersson

Der bekannte Stummfilm-Regisseur Victor Sjöström spielt den alten Professor Isak Borg, der während einer längeren Autofahrt in Tagträumen mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Borg lebt zurückgezogen von der Welt, als sich seine Schwiegertochter bei ihm einquartiert, da sie sich mit seinem Sohn verkracht hat. Er nimmt sie spontan mit auf eine Reise nach Lund, um dort seinem 50jährigen Promotionsjubiläum beizuwohnen.
Während der Reise nehmen die beiden noch Anhalter mit, das junge Mädchen Sara (Bibi Andersson) und ihre beiden Begleiter. Sara erinnert Borg sehr an seine große Jugendliebe, die aber am Ende seinen Bruder heiratete. Dieser Film ist ein einzigartig einfühlsames philosophisches Meisterwerk, das einen mitunter zärtlichen und versöhnlichen Blick auf das Leben und die Menschen wirft.

Das siebente Siegel

Det sjunde inseglet
Schweden 1957
Regie: Ingmar Bergman
Mit Max von Sydow, Bengt Ekerot und Bibi Andersson

Ein weiteres Meisterwerk Ingmar Bergmans und auch aus dem Jahre 1957.
Angesiedelt ist die Geschichte des Films im Spätmittelalter zu Zeiten der Pest und der Kreuzritterzüge. Der Ritter Antonius Block will, in seinem Glauben erschüttert, von einem der Kreuzzüge heimkehren. Er trifft auf den Tod, der ihn zu sich holen möchte. Block erwirkt einen Aufschub, indem er dem Tod vorschlägt, dass er so lange wieder leben darf, bis der Tod ihn im Schach schlägt. Während er die Reise zu seinem Gut antritt, auf der sich ihm weitere Wanderer, u.a. ein Schauspielerpärchen, Schutz suchend anschließen, muss er immer wieder mit dem Tod Schach spielen. Am Ende gewinnt immer der Tod das Spiel, aber Bergman versöhnt uns, indem er das sympathische Pärchen und ihr kleines Kind weiterleben lässt. Ein Film voller Wehmut, philosophischem und psychologischem Tiefsinn, Heiterkeit, Trauer, Hoffnungslosigkeit und Hoffnung. Ein Film, so vielschichtig und unerträglich leicht wie das Sein selbst (frei nach Kundera).