9.18. Oktober 2020

Online + Frankfurt am Main

#B3Kulturkiosk – 11/2020

News

Elektro-Pionier als Avatar

Der französische Komponist und Sounddesigner Jean-Michel Jarre (71) ist am 21. Juni in Paris als Avatar in einem virtuellen Live-Konzert aufgetreten. Das Konzert im Rahmen des französischen “Fête de la Musique” wurde nach Angaben der Pariser Tageszeitung “Le Parisien” weltweit live von 600.000 Fans verfolgt. Die traditionellen Musikveranstaltungen am 21. Juni waren wegen der Coronavirus-Pandemie größtenteils abgesagt worden. Daher hatte sich die französische Elektrolegende entschieden, den rund 45-minütigen Auftritt in eine komplett eigene Welt zu verlegen und selbst nur mit einem Avatar in Erscheinung zu treten. Er wolle wie in dem Science-Fiction-Film “Matrix” auftreten, hatte Jarre im Vorfeld des Events seinen Plan beschrieben. (Quelle: Heise)

Golden Globes werden verschoben

Die Verleihung der Golden Globes wird wegen der Coronavirus-Pandemie verschoben. Die Vergabe der Filmpreise ist nun für den 28. Februar 2021 geplant, teilten die Veranstalter in Los Angeles mit. Bislang waren die Golden Globes stets Anfang Januar verliehen worden. Die glänzenden Weltkugeln, die in diesem Januar zum 77. Mal ausgegeben worden waren, sind nach den Oscars Hollywoods bedeutendste Filmpreise. Zuvor war bereits bekannt gegeben worden, dass die Oscars 2021 wegen der Coronavirus-Pandemie erst am 25. April vergeben werden – acht Wochen später als geplant.

Neue Sterne auf dem “Walk of Fame”

Die Filmschauspieler Benedict Cumberbatch, Zac Efron, Josh Brolin, Don Cheadle, Shia LaBeouf und Naomi Watts zählen zu den 35 Auserwählten, die 2021 mit einem Stern auf dem “Walk of Fame” in Hollywood geehrt werden sollen. Dies gaben die Verleiher der Auszeichnung am Donnerstag bekannt. Die “Love-Story”-Stars Ali MacGraw und Ryan O’Neal sollen in einer Doppel-Ehrung mit zwei Sternenplaketten nebeneinander gefeiert werden. Zu den Musikern, deren Namen in den Zementplatten des berühmten Bürgersteigs verewigt werden, zählen Kelly Clarkson, Missy Elliott, “American-Pie”-Sänger Don McLean und die Rockband Jefferson Airplane. Die 1955 gestorbene Jazz-Legende Charlie Parker wird posthum gefeiert. Als Fernsehstars sollen unter anderem Laura Linney, Courteney Cox und Christian Slater ausgezeichnet werden.

Corona befeuert Gamesbrance

Die Computerspielebranche gehört zu den wenigen klaren Gewinnern der Corona-Krise, meldet das Portal crn.de. Um die wegen den Ausgangsbeschränkungen aufkommende Langeweile zu bekämpfen, nutzen immer mehr Menschen dankbar die Ablenkung, die ihnen virtuelle Spielwelten bieten. Laut einer aktuellen Statistik von Finbold erreichten Computerspiele im April gut 2,7 Milliarden Menschen und damit erstmals mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Zuwachs um 6,4 Prozent. Die Analysten gehen davon aus, dass der Boom das ganze Jahr anhält und der weltweit mit digitalen Spielen generierte Umsatz auf fast 160 Milliarden US-Dollar ansteigen wird. Besonders stark entwickeln sich die Märkte in Asien und Europa, während in Nordamerika sogar ein Rückgang verzeichnet wurde. Am deutlichsten profitieren von diesem Corona-bedingten Aufschwung Games für mobile Plattformen. Mit 77,2 Milliarden Dollar soll in diesem Jahr knapp die Hälfte (48 Prozent) des gesamten Umsatzes mit digitalen Spielen auf den Bereich Mobile Gaming entfallen.

Angebote

DOK Leipzig wird Hybrid-Festival

Das Dokumentarfestival DOK Leipzig (26.10 – 1.11.2020) wird in diesem Jahr ein reduziertes Programm von etwa 120 Filmen präsentieren. Alle Filme sollen in ausgewählten Leipziger Spielstätten, unter Einhaltung der Hygienevorschriften, gezeigt werden. Ein Großteil wird darüber hinaus auch deutschlandweit online verfügbar sein. Eine Vielzahl neuer Online-Formate wird den Austausch zwischen Filmschaffenden und Publikum ermöglichen. Die angekündigten Wettbewerbe des Festivals bleiben bestehen, allein die Einführung eines Wettbewerbs für den langen Animationsfilm wird auf 2021 verschoben. Auch einige Sonderreihen werden 2020 in Leipziger Kinos wie im Netz stattfinden. Ziel ist, so Festivalleiter Christoph Terhechte, „ein künstlerisch vielschichtiges Hybrid-Festival zu präsentieren, das weiterhin von der Beteiligung des Publikums lebt.“

Keen: Google verbessert Contentsuche

Google hat das neueste Projekt seines Inkubators Area 120 an den Start gebracht. Der Content-Aggregator Keen ist ein Mix aus Pinterest und dem Google-Alerts-Service und soll Nutzern das Finden und Suchen nach für sie interessantem Content erleichtern. Nutzer der neuen Plattform können zu jedem für sie interessanten Themenkomplex sogenannte Keens anlegen, die dritte Nutzer wiederum teilen und auf ihre Follow-Liste setzen können. Beim Kuratieren setzt Keen auf eine Kombination aus selbst gewählten Keywords und Machine Learning und stellt so Artikel, Blog-Beiträge, Amazon-Links, Youtube-Videos und vieles mehr zusammen. Zur Nutzung von Keen ist ein Google-Account notwendig. Eine zugehörige App gibt es derzeit nur im Google-Play-Store. (Quelle: T3N)

CARLA 2020: Diversität und Inklusion

Vielfalt und Inklusion in der Film- und Fernsehindustrie sind die Kerninhalte der schwedischen Digital-Konferenz CARLA 2020 (21.-23. August 2020). In diversen Keynotes, Podien und Rundtischgesprächen stehen Themen wie die Mechanismen der Macht, Rassismus, unbewusste Voreingenommenheit, Intersektionalität, sexuelle Belästigung, Sicherheit am Set und entkolonialisierende Erzählungen auf der Agenda.

KI macht künstlerische Schaffensprozess sichtbar

Die Kunst-Anwendung “Timecraft” erlaubt es Anwendern, die Entstehung von Gemälden durch Künstliche Intelligenz (KI) zu rekonstruieren. Die vom Massachusetts Institute of Technology entwickelte Technologie vollzieht die Pinselstriche von Künstlern nach und zeigt diese digital an. So wird selbst bei Werken von Meistern wie Claude Monet oder Vincent van Gogh der künstlerische Schaffensprozess sichtbar. Das Entwickler-Team hat die KI mithilfe von Machine Learning ausgebildet. Der ausgefeilte Algorithmus hat zuvor 200 Videos analysiert, die den Malprozess von Gemälden in Zeitraffer zeigten. Anhand dieser Videos konnte die KI feststellen, welche Pinselstriche Künstler für ihre Bilder am wahrscheinlichsten verwendet haben. Laut den Forschern liegt Timecraft in den meisten Fällen richtig. Nicht nur sei die Rekonstruktion von Malereien historisch faszinierend, sondern auch eine nützliche Lernmethode für angehende Künstler. Anhand der Daten können junge Talente lernen, wie die alten Meister ihre besten Werke kreierten. Die Entwickler wollen künftig den Quellcode für Timecraft öffentlich zur Verfügung stellen.

Hilfe

Heldenstücke live

Im August bringen die Verlagsgruppe Oetinger und die Agentur Literaturtest ein Portal an den Start, das Autoren, Verlagen und anderen Veranstaltern die Vermarktung digitaler Events ermöglichen soll: „Heldenstücke live“ bündelt verschiedene Veranstaltungsformate, die als Live- und als On-Demand-Videos angeboten werden können, darunter: Lesungen, Konzerte, Webinare, Autorengespräche. (Quelle: buchreport)

Filmtipps

Eine kleine Hommage an das Filmfestival von Cannes

Das Filmfestival von Cannes – Mythos, Glamour, Skandale… 2020 fand es erstmals nicht an der Croisette statt, aber dafür im Internet. Ein komisches Gefühl? Ja, mit Sicherheit. Erinnern wir uns an einige Gewinner der Goldenen Palme aus den letzten Jahrzehnten.

Orfeu Negro

nach dem Drama Orfeu da Conceição von Vinícius de Moraes
Brasilien, Frankreich, Italien 1959
Regie: Marcel Camus
Mit Breno Mello und Marpessa Dawn

Der antike Mythos von Orpheus und Eurydike wurde ins Brasilien der 1950er Jahre verlegt.
Während der Vorbereitungen zum Karneval in Rio de Janeiro treffen der Straßenbahnfahrer Orfeu und das Mädchen vom Land, Euridice, aufeinander. Sie verlieben sich ineinander. Orfeu, ein göttlicher Gitarrenspieler, ist aber bereits verlobt. Die Geschichte wurde voller lebendiger Leidenschaft und wunderbar mitreißender Musik von Laiendarstellern getragen. Der Film schafft „eine wunderbare Balance zwischen Heiterkeit und Melancholie“ (Heynes Filmlexikon)

Ein Mann und eine Frau – Un homme et une femme

Frankreich 1966
Regie: Claude Lelouch
Mit Anouk Aimée und Jean-Louis Trintignant

Claude Lelouch drehte diesen Film in Echtzeit, in nur 3 Wochen. Anne und Jean-Louis sind beide Mitte 30 und bereits verwitwet. Sie lernen sich kennen, während sie ihre Kinder im Internat in Deauville besuchen. Beide leben aber in Paris. Anne arbeitet beim Film und Jean-Louis ist Rennfahrer. Sie kommen sich näher und Anne gesteht Jean-Louis ihre Liebe per Telegramm. Sie treffen sich im Hotel in Deauville und verbringen eine Nacht miteinander… Ein Klassiker der Nouvelle Vague, in dem sich Banalität und Virtuosität ein Stelldichein geben und somit für einen eigenen Zauber sorgen. Die melancholische Ausstrahlung von Aimée tut ihr Übriges.

Der Dialog -The Conversation

USA 1974
Regie: Francis Ford Copolla
Mit Gene Hackman und Harrison Ford

Harry Caul, Überwachungsexperte, Abhörspezialist und Hoppysaxophonist, lebt in San Francisco. Er überwacht das junge Paar Ann und Mark. Engagiert wurde er vom „Direktor“ einer Firma. Es entsteht ein Verwirrspiel, bei dem nichts zu sein scheint, wie es aussieht. Harry selbst wird immer mehr emotional in seinen Auftrag verwickelt und selbst abgehört. Ein Mord geschieht. Am Ende sind die Täter die Opfer und umgekehrt. Francis Ford Copolla bedient sich hier der Stiltechniken des sogenannten „New Hollywood“, die ihm maximale künstlerische Freiheit gestatteten. Gene Hackmann ist ein wunderbarer Harry Caul, der durch sein in diesem Fall sehr zurückgenommenes Spiel beeindruckt.